IMPULS

Tango unterm Kreuzgewölbe 150619_12k Kopie (c) A. Jütten

Ich weiß, ich hab habe mich an dieser Stelle lange – zu lange, sagen einige - nicht mehr zu Wort gemeldet mit einer Gedankenanregung, einer geistlichen Reflexion oder einfach mit einer zur Diskussion einladenden persönlichen Überzeugung. Irgendwie fehlte bei mir Konzentration, Muße, manchmal auch – ohne das als Entschuldigung verstehen zu wollen – Zeit.

Ich bemühe mich, stetiger und hoffentlich abwechslungsreicher in Zukunft wieder kleinere Beiträge einzubringen, um sie und Euch – die interessierten Begleiter*innen der Arbeit in der Citykirche – wieder intensiver in Kontakt zu bringen.

Manchmal spreche ich – wenn ich an eine Kirche denke – etwas flapsig von den „Heiligen Hallen“. In der Tat, Kirchen sind heilige Orte; Orte, die die Gegenwart Gottes sichtbar versinnbildlichen möchten. Es berührt mich immer wieder, wenn ich morgens – über die Bahnstraße in die Stadt fahrend – von weitem unseren Kirchturm sehe. Die Citykirche ist einfach nicht zu übersehen. Gott ist da: an diese geheimnisvolle Gegenwart Gottes werde ich – manchmal bewusster, manchmal auch unbewusst – erinnert.

Heilige Orte dürfen aber keine weltfremden Orte sein; auch diese Erkenntnis wird mir mit Blick auf unsere Citykirche immer wieder neu bewusst. Die Erfahrungen und Wirklichkeiten der Menschen unserer Stadt dürfen – ja müssen in dieser Kirche gegenwärtig sein und werden.

Nun: in der Kathedrale der Erzdiözese Toledo in Spanien wird darüber eifrig gestritten, seitdem der Dekan der Kathedrale erlaubt hat, dass in ‚seinem Dom‘ ein Video gedreht werden darf. Ein Liebespaar hat einen geheimnisvollen, sinnlichen Tanz mit Untermalung traditioneller spanischer Musik aufgeführt. Und ja: an einer Stelle war die Tänzerin nackt zu erkennen – wohl zur Gänze verpixelt. „Ateo“ war der Tanz betitelt, also „Atheist“; und er sollte tänzerisch zum Ausdruck bringen, dass die menschliche Liebe einen Atheisten zu einem gläubigen Menschen zu verwandeln mag. Was für eine tiefgreifende Botschaft: Liebe verwandelt den Menschen zu einem Hoffnungsträger für unsere Welt.

Ein Shitstorm ‚rechtgläubiger‘ Christen führte nun dazu, dass der Dekan sein Amt zur Verfügung stellen musste. Was für eine Blamage und was für eine Verengung! Wir dürfen in unseren Kirchen über Liebe predigen, aber fassbar, begreifbar, fühlbar darf sie nur draußen stattfinden. Die tiefste, sinnlichste, ja zukunftskräftigste Gabe, die uns Gott geschenkt hat, soll in der Kirche außenvor bleiben? Wie die Ordensfrau Gabriela Zinkl (https://www.katholisch.de/artikel/31616-dekan-ruecktritt-nach-tanzvideo-diese-kirche-ist-unglaubwuerdig) es treffend in einem Kommentar geäußert hat: Das ist unglaubwürdig! Solange unsere Kirche Frömmigkeit und lebendige Liebe nicht in Einklang zu bringen vermag, so lange bleibt sie in der Tat unglaubwürdig.

 

 

Citykirche Mönchengladbach

Kirchplatz 14
41061 Mönchengladbach