Im Februar in der Citykirche

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Darius Miskowiec (c) Chr. Simonsen

„Ein Franzose, ein Engländer und ein Deutscher sitzen zusammen in der Kneipe…“, so fangen manche Witze an.

 

„Halt Pohl“ unser Gladbacher Schlachtruf an den tollen Tagen ist Programm für unsere Stadt. „Halt die Stange“. Was im Hochdeutschen ein wenig spröde klingt, birgt doch so viel Weisheit und Weitsicht in sich: Wir halten in unserer Stadt einander die Stange, wir halten einander, wir halten zueinander und wir geben so schnell nicht auf. Fastelovend hat auch seine tiefsinnigen Seiten; deshalb ist es so wichtig, auch in schwierigen Zeiten, das Lachen nicht zu vergessen.

 

Letztens saßen ein Iraner, ein Russe und ein Deutscher zusammen in einer Kneipe hier in Mönchengladbach und wir haben uns prächtig unterhalten. Alle drei haben einen deutschen Pass, auch wenn sie aus ganz verschiedenen Regionen unserer Welt kommen. Wir halten zusammen und wir sind überzeugt, dass das geht: Zusammenhalt über die Unterschiede von Religion und Kultur hinweg.

 

Der Witz von dem Engländer und dem Franzosen und Deutschen geht übrigens so: Die drei sitzen in der Kneipe und beobachten einen Menschen an einem anderen Tisch: „Ist das nicht Jesus?, fragt einer von den Dreien. „Klar, das muss er sein!“. Da geht der Engländer hin zu dem Fremden, erzählt ihm von seiner kranken Schulter; der Fremde legt ihm die Hände auf, und schon ist der Schmerz weg. Dann geht auch der Franzose hin, zeigt ihm sein kaputtes Knie; Jesus berührt ihn, und der Schmerz ist futsch. Zu guter Letzt geht Jesus auf den Deutschen zu. Aber bevor er ihn berühren kann, faucht der Deutsche: „Hey Jesus, ich bin noch drei Wochen krankgeschrieben, pack mich bloß nicht an“.

 

Wir können lachen und wir dürfen lachen: über uns, über unsere rheinischen Eigenarten, sogar über unseren Glauben. Lachen löst so manche Verkrampfungen, nicht nur die der Mundwinkel.

 

Die drei in der Gladbacher Kneipe haben auch herzlich gelacht. Gemeinsam zu lachen verbindet und macht innerlich frei und schafft Vertrauen. Und so haben wir uns viel voneinander erzählt; der Iraner, der inzwischen deutscher ist, davon, dass er seiner deutschen Frau vor der Hochzeit geraten hat, ihren deutschen Nachnamen zu behalten, weil er sie doch schützen wolle vor möglichen Beschimpfungen. Und der Russe, der ebenso schon längst einen deutschen Pass hat, von seinen Eltern, die sich mit der deutschen Sprache noch schwer tun. Der Deutsche, also ich, hörte zu und staunte ob des ruhigen und liebevollen Blicks der anderen auf so manche typisch deutsche Selbstüberschätzung.

 

Nach den Karnevalstagen beginnt die österliche Bußzeit. Lachen und Nachdenklichkeit sind keine Gegensätze. Zuversicht und Selbstkritik auch nicht.

 

In diesen bewegten Zeiten passt gut die kommende Ausstellung hinein: Ingo Wegerl, ein namhafter Künstler unserer Stadt, wird einige seiner Werke bei uns ausstellen. „Höllensturz“, so ist die Ausstellung betitelt. Dem Künstler gelingt es, seine Fähigkeit tiefgründiger Reflexion in künstlerisch stilistischer Vielschichtigkeit zu gestalten. Es gelingt ihm, die Facetten des menschlichen Seins aufzuspüren und sichtbar zu machen. Gleich, ob menschliche Tristesse oder visuelle Sinnesfreude zur Darstellung gelangt: Es ist das Empfindsame seiner Arbeiten, das die Betrachtenden berühren möchte. Die Vernissage ist Freitag, 16. Februar 2024 um 18h.

 

Die Musik zur Marktzeit weckt über unsere Stadtgrenzen hinaus jeden Samstagmittag eine erwartungsvolle Neugierde. Das soll auch im Februar so sein. Ebenso feiern wir wie gewohnt unsere Gottesdienste am Sonntagabend um 20h und die Vitus Gemeinde lädt dienstags um 12h zum Marktzeitgottesdienst ein. Sicher haben alle Verständnis, dass dieser am Veilchendienstag zugunsten des Karnevalszuges ausfällt.

 

Nach der beeindruckenden Kundgebung auf dem Sonnenhausplatz am 25. Januar für eine tolerante und einladende Stadt Mönchengladbach, die gegen Rassismus und dem neu aufkeimenden Rechtsruck in unserer Gesellschaft eine klar abgrenzende Position gezeigt hat, kam bei manchen der Wunsch auf, dass dieses beeindruckende Zeichen kein Strohfeuer werden dürfe. In unserer schnelllebigen Zeit geht so manche Begeisterung unter bei der Vielschichtigkeit der Ereignisse. Deshalb kam die Frage und der Wunsch auf, wie wir weiter im Gespräch bleiben und einander sensibilisieren können, um dem menschenverachtenden Neonationalismus die Kraft der Diversität gegenüberzustellen. Deshalb möchten wir überlegen, wie die Citykirche sich als Ort bewähren könnte, dazu einen angemessenen Beitrag zu leisten. Ideen sind herzlich willkommen.

 

„Halt Pohl“, wir halten zusammen. In diesem Sinn wünsche ich allen eine gute Zeit

Ihr und Euer

Christoph Simonsen

2020_10_Kirchenführer Kopie (c) Chr. Simonsen

Und hier noch der Hinweis auf unseren Kirchenführer, der in besonderer Weise die historische Bedeutung unserer Citykirche in einen Kontext mit der heutigen Nutzung setzt und die einmaligen künstlerischen Werke sowie die liturgischen Elemente geistlich vorstellt und interpretiert. Dieser ist gegen eine Spende gern zu erwerben (Herstellungswert ca 5,00 €). 

 

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