Ansprache zum 3. Fastensonntag 2025:
Kein Scherz: Vor drei Jahren hab ich zu meinem Geburtstag einen Feigenbaum geschenkt bekommen. Und da ich im Garten keinen geeigneten Platz gefunden habe, hab ich ihn dann in einen großen Topf gepflanzt und auf der Treppe des Hauseingangs platziert. Da stand er jetzt drei Jahre lang und – ehrlich gesagt – dass er sichtbar gewachsen sei, kann ich nicht sagen, geschweige denn, dass er hätte Früchte getragen. Was also tun? Ich bring es nicht übers Herz, ihn einfach da so weiter rumstehen zu lassen; es geht ihm sichtbar nicht gut da vor der Haustüre.
Es brauchte eine Weile, bis ich mir selbst eingestanden habe, dass ich wohl nicht so ganz unschuldig bin an seinem mickrigen Dasein. Es war meine Fehlentscheidung, ihn in den viel zu kleinen Topf zu setzen. Also hab ich noch mal im Garten gesucht und dann doch noch ein Plätzchen für ihn gefunden, in der Hoffnung, dass es ihm da wohler ist und er wachsen und Früchte tragen kann.
Dass mein Feigenbaum nicht gedeihen konnte, war in erster Linie mein Fehler. Ich hab ihm, vor allem seinen Wurzeln nicht die Möglichkeit gegeben, sich entfalten zu können.
Der Mann, von dem im heutigen Evangelium ja die Rede ist, ist da – so scheint es mir – etwas rascher bei der Hand. Er fackelt nicht lange, er fragt auch nicht nach den möglichen Ursachen, weshalb der Baum keine Früchte trägt; er entscheidet ohne mit der Wimper zu zucken, dass der Baum weg muss. Keine Spur von Selbstreflexion, kein Funken Verunsicherung. Sein Entschluss ist kurz und knapp: keine Früchte, keine Zukunft. Der Baum ist es selbst schuld, wenn man das so sagen kann, und der Weingärtner soll jetzt gefälligst die Axt anlegen.
Das heutige Evangelium lädt uns zu einer Selbstreflexion ein; zur Bereitschaft, uns selbst in Frage zu stellen und uns von anderen verunsichern zu lassen. Wir sind aufgefordert, uns selbst einzugestehen, dass aufgrund unserer Lebensweise anderen das Wasser abgegraben wird; was bleibt, ist trockene, staubige Erde, die einem die Luft zum Atmen nimmt.
Und dieses Wortspiel können wir durchaus wörtlich nehmen. Der Smog in den Großstädten der Welt zum Beispiel. In 3 Wochen kommt meine Nichte von einem Jahresaufenthalt in Japan zurück. Sie und ihr Mann haben dieses landschaftlich so wunderbare Land ein Jahr bereist. Ihre Bilder auf Instagram von der Schönheit der Natur haben mich jeden Tag in Staunen versetzt. Aber wie lange können wir Menschen diese Schönheit noch bewundern. Denn inmitten dieser traumhaften Natur quetschen sich Millionenstädte hinein, innerhalb derer die Menschen mit Atemschutzmasken herumlaufen, weil der Smog ihnen die Luft zum Atmen raubt.
Wenn ich das so erzähle, es geht nicht um Angstmacherei; es geht darum zu erkennen, dass wir Mitverantwortung und Mitschuld tragen daran, dass unsere Umwelt so fragil ist und sich so sehr danach sehnt, sich erholen zu können. Umweltschutz ist kein Luxusthema unserer Zeit, wie die vielen Diskussionen der letzten Tage haben meinen lassen; Es ist eine Überlebensfrage; und deren Beantwortung liegt nicht in den Händen weniger Entscheidungsträger*innen. Nein, sie liegt in unseren Händen. Es ist gut, dass es verantwortungsbewusste junge Menschen gibt, die uns bitten – oder besser: anflehen – die Zeit zu nutzen, damit wir nicht gleich mit weiterem unverantwortlichen Handeln die Axt an unsere eigene Zukunft legen.
Der Weingärtner hat seinen Herrn gebeten, ihm noch ein Jahr Zeit, damit er den Feigenbaum noch besser pflegen kann in der Hoffnung, ihn so noch retten zu können. Je älter ich werde, um so bewusster wird mir, wie schnell ein Jahr vorbeigeht. Wir haben Zeit, nachzudenken über unser Leben; darüber, welch große Verantwortung Gott in unsere Hände gelegt hat. Aber wir sollten es nicht auf die lange Bank schieben. Wir können heute damit anfangen, sofern wir es noch nicht getan haben, uns selbst zu prüfen und zu fragen, wo wir unserer Verantwortung mehr gerecht werden können, diese Welt, Gottes Schöpfung, zu retten.
„Ich muss noch schnell die Welt retten“, so hieß vor einiger Zeit ein Chanson. Das klingt so überfordernd und unlösbar. Aber das ist es nicht. Es gibt so viele gute Möglichkeiten, die helfen, dass – bildlich gesprochen – der Feigenbaum nicht umgehauen werden muss und wieder gute Früchte trägt. Wir müssen uns nur ein wenig mehr selbst prüfen, unser eigenes Verhalten in Frage stellen und dann fallen uns unendlich viele Möglichkeiten ein, das Leben auf dieser Welt fruchtbarer zu machen. Manchmal hilft schon eine Gießkanne mit Wasser.